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Dienstag, 10. Januar 2012

David Bowie hat seinen 65. Geburtstag gefeiert

Das Kontrollzentrum hat ihn längst verloren, und nun treibt er durchs All, wo die Sterne ganz ungewohnt aussehen.

„Can you hear me Major Tom …
schallt der Hilferuf des Astronauten , und mit metallischen Klängen will sich der Schlussakkord der Gitarre im All verewigen. Es war 1972, als ich das Stück „Space Oddity“ auf meinen Kassettenrekorder gebannt hatte – urspünglich war das Stück 1969 erschienen. Mit meinem Schul-Englisch, das Jahr für Jahr besser geworden war, hörte ich mir Wort für Wort den Text an: das war Inhalt, Sinn, eine Geschichte, über die Raumfahrt und den Major Tom, dessen Funkverbindung abgerissen war und der nun in der Endlosigkeit des Weltalls herumkreiste. Sinn und Inhalt gab es nicht bei anderen Stücken, die ich mit Leidenschaft hörte - wie der progressive Rock von Deep Purple oder Led Zeppelin.

Ein Jahr später stand David Bowie gleich mit mehreren Singles in den Hitparaden. „Life on Mars“ und „Jean Genie“ hatte ich damals tage- und wochenlang gehört. Noch vor einigen Tagen habe ich in Youtube gezappt und „Life on Mars“ zig-mal hintereinander gehört, wobei mich seine kristallklare Stimme ständig aufs Neue fasziniert, wie sie oszilliert und ihre Tonlagen ohne Andeutung wechselt, um im Refrain in einer hohen Tonlage lang anhaltend zu verhallen.

Das Album „The Rise and Fall of Ziggy Stardust“ steht als Vinylplatte auf dem Dachboden meiner Eltern. Wieder angehört hatte ich mir dieses Album vor 2 Jahren auf meinem Internet-Radio. Es ist ein Konzeptalbum aus einem Guß, wo sich jedes einzelne Stück anders anhört und für sich klasse ist. Das Album beginnt mit „Five Years“. Phänomenal ist seine Stimme, die ganz behäbig anfängt, sich dann steigert und mit einem Minimum an Gitarrenbegleitung auskommt. Ein solches Ausdrucksvermögen der Stimme kenne ich ansonsten nur von Robert Plant von Led Zeppelin – oder heutzutage von Adele. Das letzte Stück auf dem Album „Rock’n’Roll Suicide“ ist in sich zerrissen und sucht verzweifelt nach einer Konstante. Abgründe, Selbstmordgedanken, Drogen- und Alkoholexzesse und Wiederauferstehung, des hat in den 70er Jahres das Leben von David Bowie geprägt. „The Rise and Fall of Ziggy Stardust“ spiegelt diese innere Zerrissenheit wider, einen unheimlich starken Charakter und den ständigen Blick in den Abgrund hinein.

Aus dieser inneren Zerrissenheit ergibt sich der Wechsel, die Wendungen, das Hineinschlüpfen in immer neue Identitäten. Urspünglich wollte David Bowie sogar Schauspieler geworden sein. Mit seinen Filmen hat es nicht so richtig geklappt – mit „schöner Gigolo, armer Gigolo“ schaffte er keinen Durchbruch, in „Die Kinder vom Bahnhof Zoo“ reichte es nur für eine Nebenrolle.

So erfolglos seine Schauspielerei war, so authentisch schlüpfte er bei seinen Musikstücken in immer neue Rollen. Da wird nichts übernommen, nachgespielt oder kopiert. Mit „Sound and Vision“ verbindet mich ein persönliches Erlebnis, denn dies war bei meinem ersten Disco-Besuch 1976 gespielt worden. Schrille und bunte Lichteffekte in einer etwas düsteren Atmosphäre, der voranpeitschende Sound, der allgemein hohe Lärmpegel, auch Tanzen – doch davon nahm ich eher Abstand -, dies prägte fortan als Jugendlicher auch meine Freizeitbeschäftigungen. „Sound an Vision“ schwappte in vollem Umfang in der Disco-Welle Ende der 70er Jahre mit. Die Disco-Musik wurde gleichförmiger, automatisiert mit künstlich zusammengemischten Klängen, doch David Bowie trieb diese Musik mit der Energie seiner Stimmlagen voran und nicht mit dieser künstlichen Mechanik der Disco-Effekte.

Was David Bowie in den 80er Jahren herausbrachte, überraschte erneut. Nile Rodgers, der auch Stücke für andere Disco-Pop-Größen wie Chic komponiert hatte, schrieb „Let’s dance“. Auch hier – wie bei „Sound and Vision“ – glänzte seine Stimme, wodurch er sich von dem übrigen Mischmasch der Hitparaden unterschied. Überraschend ist auch die Wiedergeburt des Major Tom aus „Space Oddity“: in „Ashes to Ashes“ kehrt der in den Tiefen des Weltalls Verschwundene zur Erde zurück, er ist ihm nahe, sie begegnen sich, er lächelt ihm zu.

Anfang der 90er Jahre endet die Phase, aus der mich die Musik von David Bowie besonders bewegt hat. Danach hat David Bowie sich nicht zurückgezogen und eine Reihe weiterer Alben und Singles herausgebracht, doch diese haben bei mir nicht den Bekanntheitsgrad früherer Stücke erreicht.

Ruhig, gesetzt und ausgetobt, lebt David Bowie heutzutage als Familienvater mit seiner Frau und seiner 11 jährigen Tochter in New York. 1997 war ihm noch ein besonderer Coup gelungen, er hatte nämlich eine Musikanleihe an die Börse gebracht. Mit dieser Anleihe sollten die Kosten für seine Musikalben finanziert werden sowie der Ausbau der Internet-Vermarktung seiner Musik. Angeblich hat er ein Vermögen von rund 900 Mio US-Dollar.

Letzten Sonntag hat David Bowie seinen 65. Geburtstag gefeiert. Herzlichen Glückwunsch !

Zum Hineinhören in "Space Oddity" und den Major Tom:




Kommentare:

  1. David Bowie,von ihm habe ich noch alte Platten auf dem Dachboden.Er ist schon cult!

    Ich weiß wie du das gemeint hast mit dem schreiben.
    Weniger ist manchmal mehr ;-).
    Ich husche durch die Bloggerwelt und lese mal hier schnell und mal da.Jedoch wird es für mich Schwieriger wenn ich mich durch soviel lesen muss.
    Kurz und knapp zu einem Bild kommt immer gut ;-)
    LG
    Nicole

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  2. Ich hatte keine ahnung aber ik hab es mir gedacht...
    Man hat vorige woche ganz viele song von Bowie auf dem Radio gedreht....

    Grusse Nieske

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  3. Ich liebe seine Songs, rauf und runter, auch heute noch, weil sie irgendwie, im Gegensatz zu anderen neuen HITS, zeitlos schön sind.

    LG Berta

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