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Dienstag, 20. März 2012

Jean Michel Jarre - Equinoxe

6.44 Uhr. Genau um diese Uhrzeit hält heute der Frühling seinen kalendarischen Einzug. Draußen ist es hell geworden, und es zwitschern die ersten Vögel. Fast zeitgleich schwinge ich mich aufs Fahrrad und radele los. Müde und etwas verschlafen trotten mir einige Schüler entgegen. An der Verkehrskreuzung bergabwärts knubbelt sich der Verkehr. In lockerer Abfolge schliddern Einfamilienhäuser an mir vorbei, Autos messen ihre Stecke ab auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz. Hinter dem Ortsausgang dann der Sonnenaufgang: mit aller Wucht stemmt sich die funkelnde, rote Scheibe der Sonne über die Felder. Wolkenlos, tunkt die Sonne den Himmel in ein tiefes Rot, und zwischen den Grasbüscheln krallen sich die Spuren des Nachtfrostes.

Frühlingsanfang. Tag und Nacht sind exakt um 6.44 Uhr in einem Gleichgewicht. Äquinoktium auf Lateinisch. Equinoxe auf Französisch. Equinoxe – das erinnert mich an die großen Zeiten von Jean Michel Jarre.

Mitte der 70er Jahre hatte sich ein neuer Musikstil entwickelt, nämlich rein elektronische Musik ohne Gitarrenspiel oder Schlagzeug. Die Gruppe Kraftwerk aus Düsseldorf, das war die eine Stilrichtung: sie verkörperten technische Kälte – beherrscht von Maschinen. Jean Michel Jarre aus Lyon marschierte in eine andere Stilrichtung, die lockerer war, verspielter, eleganter, nicht so streng in ihren Formen. Ein Improvisieren in den Tag hinein, sich überraschen lassen von neuen Klangwelten.

Equinoxe, in der Jahresabfolge sind damit zwei Tage beschrieben, nämlich neben dem Frühlings- auch der Herbstanfang. Ich schaue daher nach vorne: Frühlingsanfang, der längste Tag des Jahres im Juni, Herbstanfang, der kürzeste Tag des Jahres im Dezember. Mit dem nächsten Frühlingsanfang schließt sich der Kreis. So wie im Leben. Ein ständiges Ende und ein ständiger Neubeginn. Werden und Vergehen. Leben, Tod und Wiedergeburt. Alpha und Omega. Der Kreis als eine sinnstiftende geometrische Figur.

Der längste Tag des Jahres: im Juni erreicht meine Aufbruchstimmung einen Höhepunkt, ich will maximales in der maximalen Tageslänge schaffen. Die Tage strotzen vor Helligkeit und Farbenpracht. Die Natur hat sich ins Zeug gelegt und alles legt gleichzeitig los. Der Juni ist so ungefähr der Höhepunkt meines Aktivitätsniveaus. Unser Garten blüht auf, mit Freunden wird gegrillt, mein Geburtstag steht vor der Türe, ich schaffe die höchsten Schwierigkeitsgrade bei meinen Rennradtouren.

Herbstanfang: mit dem Klima in der Köln-Bonner Bucht, dass die Hitzewellen kaum auszuhalten sind, schafft mich der August. Der August kegelt mich aus meinem Gleichgewicht heraus. Wenn es heiß ist, habe ich soviel Durst, dass ich mit dem Trinken kaum nachkomme. Ich will mein maximales Pensum fortsetzen, doch im August gelingt dies nicht. Ich bin aufgedreht und kann abends nicht einschlafen. Die Eindrücke erschlagen mich. Mit sinkenden Temperaturen bessert sich im September die Situation, und zum Herbstanfang bin ich wieder ausgeglichen. Zum Herbstanfang werden die Nächte länger, und wenn es abends dunkel ist, kann ich die Überfülle von Wahrnehmungen ausblenden.

Der kürzeste Tag des Jahres: bei den sehr langen Nächten ereilt mich ein Stück Winterdepression, dass die Eindrücke auf ein Minimum zurückgefahren werden. Abseits des Weihnachtsrummels genieße ich die Stille dieser Tage, an denen ich gerne zu Hause bin und mich dort besonders wohl fühle. Siehe dazu auch meinen Blog vom 20. Dezember 2011. Wenn man Weihnachten einmal ausblendet, mag ich diese Jahreszeit sogar besonders, so ruhig und so einfühlsam ist es zu kaum einer anderen Jahreszeit.

Equinoxe, zum nächsten Frühlingsanfang schließt sich wieder dieser Kreis. Das neue Jahr ist dann schon mehr als drei Monate alt. Jede Jahreszeit hat ihre eigenen Reize. Ich lausche Equinoxe von Jean Michel Jarre.

Kommentare:

  1. Jean Michel Jarre, ja , den kenne ich auch allzugut. Ein völlig neuer Musiktstil damals. War eine schöne Zeit, an die gerne zurückdenke.

    Lg

    Barbara

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  2. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne...so fühle ich mich in jedem Frühjahr-alles ist möglich, auch im Garten. Träume von üppiger Blüte werden geträumt. Meist verspricht der Frühling mehr, als der Sommer halten kann- gartentechnisch gesehen. Und manchmal auch im richtigen Leben.

    Frühlingsgrüße zu dir,
    Jo

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  3. Danke, ich werde Equinoxe nun mit ganz anderen Ohren hören.

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  4. Danke, Equinoxe gefällt mir.
    Was das Wetter angeht: So wie es mom ist, könnte es für mich dauerhaft bleiben.
    Eine schönen Feierabend wünsche ich dir
    Wieczorama =^.^= Mein Fotoblog

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  5. Oh ja, die Elektronikmusik war auch in meinem Regal zu finden,
    sowohl der "kalte" als auch der "lockerere" Stil.
    Doch meine "Hauptmusikzeit" war eher sogar noch vorher.
    Aber Du hast Recht: "Jede Jahreszeit hat ihre eigenen Reize!"

    Liebgruß,
    Tiger
    =^.^=

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  6. Die Musik ist Klasse und passt wunderbar zu deinen Jahreszeitengedanken! Ein toller Beitrag!

    Liebe Grüße!

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  7. ich höre gerade Equinoxe - passt voll zu deinem Text und deiner Fahrradfahrt.

    Ich wünsche dir einen schönen Frühlingsanfang :-)
    lieber Gruß von Heidi-Trollspecht

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  8. Der lief bei uns auch hoch und runter, in allen Medien. Die Platte haben wir sogar noch - und der Ehemann legt sie auch ab und zu mal auf.

    Grüße! N.

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  9. Equinoxe von Jean Michel Jarre höre ich immer wieder gerne. Da hast du wieder etwas Tolles ausgegraben und passt hervorragend zum Frühlingsanfang. :-)

    Lg Christa

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