wer bin ich ? ich heiße Dieter

Freitag, 16. März 2012

im Hallenbad

Der Schwimmlehrer hieß Andreas. Er war jung, vielleicht Mitte zwanzig, sein Gesicht war sauber rasiert, sein dunkles Haar, das er am Hinterkopf zu einem Zopf zusammengebunden hatte, stand struppig zur Seite. Seine Gesichtszüge waren angestrengt, und unter seinen buschigen Augenbrauen stierte er auf das Übungsbecken, das mit einem Band aus roten Styroporkugeln vom Kinderbecken abgetrennt war. Er hockte auf einer niedrigen Mauer und trank während seiner Pause aus einer PET-Flasche Mineralwasser. Hauteng saß sein blau-schwarzer Neoprenanzug, der die weiße Aufschrift „Aquatics“ wie ein Bogen über seine Brust spannte. Unter seinen nackten Unterschenkeln wirkten das Orange der Clogs, die er als Badeschuhe trug, viel zu grell und zu knallig. Sein schlanker Körper ruhte in sich.

Um 12:15 Uhr sammelte er die acht Kinder ein, die am Schwimmkurs 6+ teilnahmen. Einige plantschten bereits im Wasserbecken, andere musste er noch in der Sammel-Umkleidekabine abholen, wo sich einige von ihren Mamas oder Papas verabschiedeten. 6+, das hieß, die Kinder waren 6 Jahre und älter, und jeden Samstag nahm unser kleines Mädchen an dem Schwimmkurs teil.

Spielerisch ging es los. Zuerst hüpfen. Nun verwandelten die acht Kinder das Übungsbecken in einen Flohzirkus, so sehr hüpften sie auf und ab, hin und her, kreuz und quer. Dann Fangen. Das Gewimmel setzte sich fort, wobei die Jungens immer lebhafter wurden, bisweilen spritzten sie wild und entfesselt im Wasser herum. Da musste Andreas für Ordnung sorgen: kräftig hallte seine laute Stimme, um die Jungen in ihrem Elan zu bremsen, und seine Anweisungen waren deutlich und mit schneidender Stimme wie beim Militär. Schließlich untertauchen. Die Kinder steckten ihre Köpfe unter Wasser, was weniger spektakulär ablief.

Ich wusste, unser kleines Mädchen war bei Andreas in guten Händen. Ich verschwand ins Erwachsenen-Schwimmbecken. Ich drehte meine Runden. Als Sportart war Schwimmen nie mein Ding. In der Schule war ich kaum über ein „ausreichend“ hinausgekommen. Vor allem Kraulen hatte ich gehasst, weil ich es nie auf die Reihe bekommen hatte, meinen Kopf in der richtigen Bewegung zu drehen und zu wenden und gleichzeitig mit den Händen schlagfertig voran zu preschen. Früher war ich auch gejoggt, in den letzten Jahren gilt meine Leidenschaft ausschließlich meinem Rennrad, denn da sieht man wahnsinnig viel von der Landschaft, man gewinnt einen solchen Radius und einen solchen Weitblick, wie dies beim Schwimmen nie und nimmer möglich ist. Dennoch genoß ich es, ungestört zu sein, abschalten zu können, an nichts zu denken. Ich schwamm meine Bahnen auf und ab.

Von Zeit und Zeit warf ich einen Blick ins Übungsbecken. Mit dem Schwimmbrett sprangen die Kinder ins Becken, danach paddelten die Beine fließig vorwärts und so manches Kind machte bereits ohne Andreas Mithilfe die richtigen Schwimmbewegungen.

Ich schwamm weiter und spulte meine Bahnen herunter. Das Schwimmbecken war nur mäßig gefüllt, und irgendwie hatte ich den Eindruck, dass sich außerhalb des Beckens viele langweilten. Der Bademeister schritt dieselbe Strecke auf und ab, ohne dass er – glücklicherweise – zum Einsatz kam. Auf den Liegestühlen hatten sich ältere Damen mit nicht unerheblichem Übergewicht platziert und dösten vor sich hin. Waren sie wasserscheu ? Ware es auf den Liegestühlen gemütlicher wie zu Hause ? So monoton, wie das Muster der Fliesen über die Wände strich, so stupide, wie die Farben der Fliesen von Ultramarinblau über Blaßgelb nach Ocker wechselten, kam mir das Auf und Ab der Bahnen genauso langweilig vor. Dennoch fühlte ich mich entspannt. Mit seichten, ruhigen Bewegungen plätscherte ich vorwärts.

Unweigerlich tickte die Schwimmbaduhr mit dem schwarzen Ziffernblatt vorwärts. Als der Minutenzeiger die 13 auf der Uhr verlassen hatte, endete die heutige Schwimmstunde. Der Schwimmlehrer Andreas verabschiedete die Jungs und Mädchen, er wünschte allen einen schönen Tag. Die Kinder verflüchtigten sich. Unser kleines Mädchen fühlte sich auch ohne Schwimmlehrer im Wasser pudelwohl, sie plantschte herum, sie wollte noch einmal, noch zweimal, noch dreimal auf die Rutsche, wobei ich sie auffangen sollte. Ich hatte Mühe, sie aus dem Wasser heraus in die Dusche hinein zu verfrachten.

Die Schwimmstunde war zu Ende. Auf ein Neues. Nächsten Samstag.

Kommentare:

  1. ja, diese Schwimmbäder sind immer was langweilig... auch hier bei mir!
    In Stuttgart meiner Heimatstadt gibt es diese Minralbäder Modern und nicht so langweilig richtig wohlfühl tuend für die Seele.
    Es ist schön wenn man sieht wie sie begeistert die Kinder, heut zu Tage gehen viel zu wenige mit ihren Kindern oder Enkeln ins Schwimmbad.Auch zuwenige lernen das schwimmen, das ist schade weil das ist eine Sprotart für Jung und Alt. Ich freue mich schon wenn ich umgezogen bin und wieder schwimmen gehe so richtig. Hier bei mir ist Freibad furchtbar lange weg und nicht schön und das Schwimmabd miniklein und den gangen Tag mit Schulklassen voll.
    Ich wünsche euch noch viel Spass zusammen!
    Lieben Gruss Elke

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  2. Ich bin dazumal auch mit meiner Tochter in die Schwimmhale gefahren, auch andere Mädchen aus der Klasse waren dabei, aber gelernt hat sie es nicht dort, sondern im Schwimmlager im Sommer im Freibad, ging es ganz allein und sie schafte dort in null komma nichts gleich die Schwimmstufe, es hat einfach mehr Spass gemacht.
    Ein schönes Wochenende wünsche ich der Familie und Dir, liebe Grüße Ulrike

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  3. toll beschrieben. Ich kann mir alles richtig bildlich vorstellen.

    Schönes Wochenende wünscht Heidi-Trollspecht

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    1. ...als wäre ich dabei gewesen:o)
      Sehr greifbar geschildert, deine Erinnerung.
      Toll!!

      Viele Grüße, Line

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  4. Lieber Dieter, ich habe für dich was wenn du mal bitte auf meinen Blog kommen würdest!
    Lieben Samstaggruss Elke

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  5. Allein wegen Andreas sollte frau vielleicht doch mal wieder ins Schwinnbad gehen *lach*

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  6. Auf jeden Fall ist man als Eltern beruhigt, wenn die Kleinen in guten Händen sind und man sich keine Sorgen zu machen braucht und eure Tochter scheint sich in dem Schwimmkurs einfach wohl zu fühlen und wohl auch im Wasser allgemein.
    Ein toller Bericht wieder von dir, Dieter, über diesen Ausflug ins Schwimmbad. :-)

    LG Christa

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