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Dienstag, 27. März 2012

Alan Parsons Project - Tales of Mystery and Imagination

Bertolt Brecht, Thomas Mann, Siegfried Lenz, Gerhart Hauptmann, mit dem, was wir an Lektüre im Deutschunterricht in der Schule gelesen hatten, hatte ich dauerhaft meine Probleme. Die Autoren sagten mir überhaupt nichts, eine fade Sprache, keine Spannung, keine Botschaft, Deutschunterricht zum Einschlafen. Dazu kam ein Klassenlehrer, der zuvor Zeitsoldat bei der Bundeswehr gewesen war: Zucht und Gehorsam war gefragt, schnörkellos wurde der Unterrichtsstoff abgehakt, alles, was das Curriculum hergab, war Befehl und wurde angeordnet. Meine Schulzeit verwehrte mir daher, einen Zugang zur Literatur zu finden.

Das sollte sich erst mit Edgar Allan Poe ändern. Und vor Edgar Allan Poe stand Alan Parsons Project. 1976 herausgebracht, entdeckte ich Anfang der 80er Jahre die LP „Tales of Mystery and Imagination“. Wie die Bezeichnung verriet, hatte Alan Parsons ein Projekt konzipiert: zuerst begegneten sich Alan Parsons und Eric Woolfson, beide waren sie Musikproduzenten in ihrer Zeit – wobei Alan Parsons große Namen produziert hatte: so „Dark Side of the Moon“ von Pink Floyd (Anm.: Eric Woolfson starb 2009 an Krebs). Um sich scharten die beiden Musiker den Sänger John Miles und die Mitglieder der Gruppe „Pilot“, die etwas bekannter waren – sowie eine Schlagzeuger, einen Gitarristen und einen Orchesterdirigenten. Dabei schaffte es Eric Woolfson, seine Idee umzusetzen, aus der Poesie von Edgar Allan Poe Musikstücke zu produzieren.

„Tales of Mystery and Imagination“ war die erste LP von Alan Parsons Project, und mit der Idee von Eric Woolfson fanden sich dort Kurzgeschichten von Edgar Allan Poe wieder. Mysteriös und imaginär, so waren auch die Klangwelten von Alan Parsons Project. Die Synthesizer formten rhythmische, gleichförmige Motive, die sich ähnlich wie in einer Sinfonie aneinanderreihten und von der hohen Stimme von John Miles geprägt waren.

So wurden auf „Tales of Mystery and Imagination“ gleich mehrere Kurzgeschichten vertont: wie „Der Rabe“ von außen anklopft, dann ins Haus eindringt, wie er  mit der Büste der Pallas Athene verwachsen scheint, sich nicht rührt und nur „Nevermore“ krächzt; wie das „Haus Usher“ untergeht, indem sich ein tiefer Riss mitten durch das Haus zieht, bevor der Hausbesitzer seine Schwester lebendig begraben hat; wie „ein Fass Amontillado“ als List eingesetzt wird, um sich an Fortunato zu rächen; Fortunato will den Amontillado genießen und durch das Fass wird er in einen Raum hineingelockt, wo er lebendig eingemauert wird.

Die Musik auf der LP „Tales of Mystery and Imagination“ hatte mich damals so fasziniert, dass ich mehr über Edgar Allan Poe wissen wollte. Kurzgeschichten von Edgar Allan Poe war mein allererstes Buch, welches ich mir aus eigenem Interesse und aus eigenem Antrieb gekauft hatte.

Edgar Allan Poes Sprache faszinierte mich auf Anhieb: die facettenreiche, detailverliebte Sprache, die Verknüpfung von Mathematik und Erzählung. Was meine Schulzeit nicht geschafft hatte, dass ich Lust am Lesen gewann, das gelang mir im Endeffekt über die Musik. Edgar Allan Poes Erzählungen beruhten häufig auf naturwissenschaftlichen Gegebenheiten, logisch, Schritt für Schritt, bauten sich seine Erzählungen auf. Präzise, exakt beschrieben, glitten die Akteure in grausige Szenen ab. Bei Edgar Allan Poe lagen Genie und Wahnsinn dicht beisammen, die Verbrechen hatten etwas irrationales, bei der die Täterprofile aus heutigen Kriminalfilmen oder Kriminalromanen nicht griffen.

Querbeet hangelte ich mich nach Edgar Allan Poe durch weitere Literatur. Philosophisches, von Friedrich Nietzsche bis Platon, Kriminalromane, von Patricia Highsmith bis Georges Simenon, französische Literatur, von Honoré Balzac bis Albert Camus, deutsche Literatur, von Heinrich Böll bis Max Frisch, das Tor zu dieser aufregenden Welt war nun weit aufgestoßen. Mit Berolt Brecht, Thomas Mann, Siegfried Lenz oder Gerhart Hauptmann kann ich übrigens bis heute wenig anfangen.




 "For my own part, I have never had a thought which I could not set down
in words with even more distinctness than that with which I conceived it.
There is, however, a class of fancies of exquisite delicacy which are not
thoughts, and to which as yet I have found it absolutely impossible to
adapt to language. These fancies arise in the soul, alas how rarely.
Only at epochs of most intense tranquillity, when the bodily and mental
health are in perfection. And at those weird points of time, where the
confines of the waking world blend with the world of dreams. And so I
captured this fancy, where all that we see, or seem, is but a dream within
a dream."

So beginnt das erste Stück auf “Tales of Mystery and Imagination”. Der Synthesizer ahmt Pfeifen nach, ganz langsam wie aus dem Nichts entwickeln sich die ersten Töne. Das Beiwerk der Spielerei des Synthesizers rankt sich um ein Motiv, bis das Schlagzeug einsetzt und in die Geschichte „Der Rabe“ übergeht.

Das sind philosophische Betrachtungen von Edgar Allan Poe. „A Dream within a Dream“ beschreibt sozusagen einen Tagtraum, der Basis für jede Poesie ist. Worte, die für die Poesie gebraucht werden, stammen aus der Welt des Traums. Die Welt, wie man sie sieht, muss mit Träumen verbunden werden. Träume treiben mit ihren Ideen den Menschen vorwärts. Die Worte für die Poesie sind daher ein Traum in einem Traum.

Kommentare:

  1. Ich hatte mein Mysterium mit Effi Briest. Als Schullektüre fand ich sie grauenvoll. Dann hab ich sie mit Anfang Zwanzig und eigenen Erfahrungen wieder zur Hand genommen und war bezaubert und gefangen und begeistert von ihr - und weil das so gut ging, hab ich mir Hauke Haien auch gleich noch mal vor genommen. :)

    Die Bücher müssen jeweils ins eigene Leben passen. dann sind sie gleich noch mal viel besser.

    Grüße! N.

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  2. Erstmal vielen Dank für deine lieben Worte, über die ich mich riesig gefreut habe.

    Unsere Schullektüre hat mir immer Spass gemacht, so dass Deutsch zu meinen Lieblingsfächern gehörte. Allerdings kenne ich es auch, dass ich ein Buch mehrfach in unterschiedlichen Lebensphasen und damit verbundenen Grundstimmungen lese und dementsprechend völlig anders wahrnehme und empfinde.

    Einen schönen Wochenteiler wünsche ich dir.
    Grüßle Wieczorama =^.^= | Mein Fotoblog

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  3. ich habe mir gerade das Musikstück angehört - war interessant.
    In der Schule konnte ich auch mit Vielem nichts anfangen. Erst viel später begann mich Thomas Mann zu interessieren - Albert Camus habe ich auch gerne gelesen. Mein Favorit immer wieder - Max Frisch.

    lieber Gruß von Heidi-Trollspecht

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  4. Ich muss gerade schmunzeln, weil Trollspecht sich über Albert Camus als Lieblingsautor äußerte. Ihn habe ich auch sehr gerne gelesen und ihn in Französisch als Wahlschriftsteller für das Abi gewählt, hier natürlich sein Werk "L'Étranger". Ich glaube, ich konnte es fast auswendig.
    Dieser Schriftsteller faszinierte mich.

    Aber auch Edgar Allan Poe habe ich gerne gelesen und natürlich auch sein Werk "The Fall of the House of Usher".

    Die von dir erwähnten Klassiker der deutschen Literatur mussten natürlich alle in der Schule abgearbeitet werden und nicht immer waren wir glücklich darüber.
    Das Musikstück hört sich sehr interessant an.

    LG Christa

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  5. jau, auch erst als ich die musik entdeckte..alan parsons projekt ,pink floyd,novalis,led zeppelin etc. damals ende der 70 er..da begriff ich auch endlich ,wie überflüssig diese schuldiktaturgehirnwaschmaschine für mich war....jetzt bin ich endlich frei von diesem wahnsinn ;-)gottseidank, lg der atheist

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  6. und die einzige literatur ,die hängengeblieben ist,sind die kurzsätzigen prägnanten,wortbauer,als da wären:walt whitman,erich fried,christian morgenstern,villon,baudelaire,nazim,pablo neruda,fernando,heine,und alle anderen unbekannten buchstabenjongleure...

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