wer bin ich ? ich heiße Dieter

Samstag, 18. Februar 2012

Wochenrückblick #7

Whitney Houston ist gestorben
Whitney Houston war nicht mein Musikgeschmack, ich erinnere mich aber an diverse Kuschel-Rock-CD’s, auf denen auch Stücke wie „I will always love you“ oder „One moment in time“ enthalten sind. In unserer Anfangszeit, als wir noch keinen Fernseher besessen hatten, haben wir sehr intensiv die Kuschel-Rock-CD’s gehört. Meine Frau hatte Witney Houston durchaus gerne gehört, so dass sich bei ihr Spuren von Trauer regten. Der Tod von Witney Houston zeigt, dass es wohl empirische Zusammenhänge gibt zwischen Ruhm und Erfolg und Alkohol- und Drogenexzessen. Im letzten Jahr gab es ja den Tod von Ami Winehouse zu betrauern (die übrigens genau mein Musikgeschmack war). Irgendwann ist es mit dem Bedürfnis nach Ruhm und Erfolg wohl so, als ob man Hunger und Durst hat. Man muss essen, man muss trinken, der Körper verlangt danach, Ruhm und Erfolg stellen sich aber nicht automatisch ein, wenn man neue Platten produziert. Neue Platten können auch schlecht sein. Oder: sie können auch gut sein, aber der Hörer urteilt anders. Ich bewundere diejenigen Musiker, die ganz stramm, unabhängig vom Urteil des Hörers, durchmarschiert sind. Ich denke da an einen Wolfgang Niedecken (den ich ja mittlerweile sehr oft zitiere), an einen Neil Young oder an einen Robert Plant (früher Led Zeppelin).

Kündigung
Der Mutter der besten Freundin unseres kleinen Mädchens ist gekündigt worden. Sie hat in einem Pflegeheim gearbeitet, und ihr ist während der Probezeit von 3 Monaten gekündigt worden. Aus rechtlicher Sicht wird es daher an dieser Kündigung nichts zu beanstanden geben. Bemerkenswert ist an ihrer Tätigkeit als Pflegerin, dass sie eine von wenigen gelernten Fachkräfte war, der komplette Rest waren angelernte Kräfte. Dies führte teilweise dazu, dass körperliche Beschwerden oder Krankheiten nicht gründlich genug diagnostiziert wurden (z.B. Analyse des Blutbildes). Dies hatte sie gegenüber ihren Kollegen bemängelt, und prompt kam es zu Konflikten mit diesen Kollegen, die meinten, eine gründliche Diagnose sei nicht nötig, weil alles immer anders gemacht worden sei und weil dies so funktioniert hätte. Den letzten Anstoss für ihre Kündigung dürfte wohl ihre Initiative gebracht haben, dass sie einen Betriebsrat gründen wollte. Dazu hatte sie auch Kollegen gefunden, die sich bei dem laut Betriebsverfassungsgesetz vorgeschriebenen Procedere beteiligen wollten. Am nächsten Tag nach ihrer Initiative zur Gründung eines Betriebsrats kam prompt die Kündigung. Sie sieht das locker, weil in dem gesamten Bereich von  Krankenhäusern, Altenheimen und Pflegediensten Kräfte händeringend gesucht werden. Ich denke allerdings mit Schrecken daran - sollte dieser Fall jemals eintreten - Angehörige in einem Pflegeheim unterzubringen.

Im Fernsehen (1)
Im NDR-Fernsehen lief am Donnerstag ein Dokumentarfilm über die Hamburger Sturmflut 1962, womit an den 50. Jahrestag zurückerinnert wurde. Die Deiche waren gebrochen, und mitten in der Nacht wurden die Bewohner von der Flut überrascht, und exemplarisch wurden die Einzelschicksale von Familien im Stadtteil Wilhelmsburg dargestellt. Der Film hatte ein hohes Niveau, da Zeitzeugen damals und heute gezeigt wurden und die Einzelschicksale, wie die Familien betroffen waren, in kleinsten Abläufen gezeigt wurden. Emotional hat mich dieser Film sehr mitgenommen. In Hamburg hatte man sich sicher gefühlt, weil Hamburg etwa 100 km von der Nordseeküste entfernt liegt. Insgesamt 315 Tote gab es damals in Hamburg. Dass es nicht mehr Tote wurden, ist auch dem damaligen Innensenator Helmut Schmidt zu verdanken, der die Hilfe u.a. durch die Bundeswehr und den Katastrophenschutz generalstabsmäßig organisierte. Wir haben übrigens einen Freund aus Hamburg, mit dem wir regelmäßigen Kontakt haben und der im Jahr 1962 geboren ist. Seine Eltern hatten damals in Harburg außerhalb des betroffenen Gebietes gewohnt.

Im Fernsehen (2)
Der Marken-Check, bei dem zuvor u.a. H&M oder Ferrero an der Reihe waren, untersuchte diesmal den Media-Markt. Im Visier der Reporter stand die Preispolitik. Der Media-Markt zeichnet sich durch eine knallige und aggressive Werbung aus, die mit Sonderangeboten lockt. Die Sonderangebote sind tatsächlich oftmals günstig, wobei aber Fälle gezeigt wurden, dass sich der Preisvergleich mit der Konkurrenz schwierig gestaltet. So geht der Media-Markt so vor, dass gängige Gerätetypen (z.B. Typ AEG XY Waschmaschine) in kleinsten Details verändert werden (z.B. Ablaufschlauch aus anderem Kunststoff), die Geräte werden mit diesen Veränderungen exklusiv für den Media-Markt produziert und erhalten danach eine neue Typenbezeichnung (z.B. Typ AEG XYZ) . Wenn man den Gerätetyp vom Media-Markt bei der Konkurrenz sucht, findet man ihn dort nicht. Schlecht weg kommt der Media-Markt auch bei diversen Kleinteilen wie z.B. Kabel, Stecker oder anderen elektronische Kleinteilen, die ca. 40% teurer sind als bei der Konkurrenz. Je nach Auswahl an Elektronikmärkten vor Ort, kann der Käufer auf Probleme stoßen, da der Media-Markt zum METRO-Konzern gehört, und dazu gehören wiederum SATURN und Kaufhof. Speziell bei SATURN findet man dieselbe Preispolitik, dass die Käufer mit Sonderangeboten hineingelockt werden, während bei all dem Kleinkram überdurchschnittlich hohe Preise gezahlt werden müssen.

Massenunfall auf der A57 bei Dormagen
Da Verkehrsunfälle im Alltagsgeschehen häufiger vorkommen, ist dies normalerweise kein Blog-Thema für mich. Den Massenunfall auf der A57, bei dem es insgesamt einen Toten und vierzehn leicht bis schwerst Verletzte gegeben hat, finde ich aber bemerkenswert, weil er in seiner Entstehung zeigt, welches unterirdische Niveau von Gedankenlosigkeit unsere Mitmenschen haben können. Unter einer Autobahnbrücke lagerten Kunststoffrohre. Unbekannte hatten diese angezündet, was nicht so einfach ist, da diese nur schwierig in Brand zu setzen sind. Als diese brannten, war der Rauch so intensiv, dass infolge des Qualms auf der Autobahn darüber praktisch nichts mehr zu sehen war. Dadurch kam es zu einer Massenkarambolage, in die insgesamt 21 Autos verwickelt waren. Die Brücke wurde so sehr beschädigt, dass sie abgerissen werden muss und neu gebaut werden muss. Die A57 zwischen Köln und Neuss ist eine derjenigen Autobahnen mit der höchsten Verkehrsdichte in NRW. Auf der Facebook-Seite des WDR wurde dieser Vorfall zur Diskussion gestellt. Interessant fand ich einen Kommentar, der das unterirdische Niveau der Gedankenlosigkeit wiedergibt (Originaltext inklusive Rechtschreibfehler):

Als ob es mehr werden
Er konnte nix dafür, schulabbrecher Vater alki mutter weg

Sozialer Brennpunkt aufgewachsen schlechter umgang u Drogen

Komischer weise sin die vor 60 Jahren nich auf so Ideen gekommen

Da mussten alle arbeiten und warn froh das sie was zu essen u warm hatten.

Denke is Langeweile u Übermut

ACTA-Abkommen
Das ACTA-Abkommen ist in diversen Blogs thematisiert worden. Ich begreife das Abkommen so, dass Raubkopien verhindert werden sollen, wodurch denjenigen Schaden zugefügt wird, die durch Musik, Filme, Bücher oder anderes geistiges Eigentum ihr Geld verdienen. Raubkopien sollen aufgedeckt werden, indem sämtlicher Internet-Verkehr einer Kontrollinstanz zur Verfügung gestellt wird, um diesen hinsichtlich Raubkopien auszuwerten. Ich gehe davon aus, dass Grundrechte der Privatsphäre betroffen sind, die im Grundgesetz nieder gelegt sind. D.h. in anderen Situationen – wie z.B. das Abhören von Telefongesprächen oder Hausdurchsuchungen – müssen schon konkrete Anhaltspunkte für eine Straftat vorliegen. Voraussetzung für ein Abhören von Telefongesprächen usw. ist dann ein gerichtlicher Beschluss, was nun bei Transaktionen über das Internet nicht gelten soll. Die Bewegung gegen das ACTA-Abkommen ist insofern wichtig, um den Entscheidungsinstanzen unseres Staates zu signalisieren, dieses Abkommen abzulehnen. Aber selbst eine Annahme hätte ich als widersprüchlich angesehen  a)  weil unsere Justizministerin L.-Schnarrenberger die Vorratsdatenspeicherung hartnäckig abgelehnt hat (das ACTA-Abkommen geht in dieselbe Richtung)  und b)  bei Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht wegen der Verletzung von Grundrechten (Privatsphäre) nicht belastbar wäre. Daher sehe ich es eher als unrealistisch an, dass dieses Abkommen unterzeichnet wird (Polen und Litauen haben z.B. signalisiert, dass sie das Abkommen nicht unterzeichnen wollen). Zwei Dinge kann ich in diesem Zusammenhang nicht beurteilen. Erstens: in den USA und Frankreich wird der persönliche Internet-Verkehr an Dritte weiter geleitet; da wäre der Fall denkbar, dass sich die EU einschaltet und Rahmenvorgaben eines europäischen Gesetzes erlässt. Zweitens: der Sachverhalt ist nicht mit dem Abhören von Telefongesprächen vergleichbar, da der Verkehr über das Internet von einer IP-Adresse an die nächste IP-Adresse dokumentiert wird. Was daraus in welcher Form zurückgeschlossen werden kann, dass dies Privatsphäre betrifft, kann ich nicht beurteilen. Und vor allem: ich bin kein Jurist. Diese Sichtweise habe ich entwickelt aus Presseberichten (Wirtschaftswoche) und wie ich sonst juristische Themen verstanden habe.

Song der Woche
Damit nicht der Eindruck entsteht, ich würde nur auf solche weichgespülten Songs von Richard Marx oder Lana del Rey abfahren, wechsele ich in dieser Woche auf die rockige Variante. In meiner Vinylplattensammlung steht jede Menge UFO. 1973 ist Michael Schenker der neue Gitarrist bei UFO geworden, nachdem Mick Bolton die Gruppe verlassen hatte. Michael und Rudolf Schenker sind Brüder, wobei Rudolf ja der Gitarrist der Scorpions ist. Bis 1973 habe beide Brüder auch gemeinsam bei den Scorpions gespielt. Mit Michael Schenker wird der Ton bei UFO rockiger, und seine Gitarren-Soli sind noch ausschweifender wie die seines Bruders Rudolf. 1974 erschien das Album „Phenomenon“, welches eine bunte Mischung umfasst aus dem früheren Space-Rock-getriebenen Stil und der härteren, rockigen Variante. Das Stück „Rock Bottom“ habe ich ausgewählt. Es setzt einen Trend in die Richtung der folgenden Alben, die sich weiter von dem Space-Rock-Stil entfernen und sich zu einer bodenständigen Rockmusik entwickeln.



Kommentare:

  1. Ein toller Rückblick und so ausführlich - find ich Klasse! War sehr interessant zu lesen!
    Die Berichterstattungen über die Sturflut haben wir auch angesehen; nicht zuletzt wegen eines Nachbarn, der dieses Drama als 4jähriger Junge miterlebt hat und dabei auch zwei Familienangehörige, und seinen Teddy, verloren hat. Schlimm was die Natur mitunter anrichtet.

    Die Musik von Whitney Houston war auch nie mein Fall; trotzdem schockierend, dass auch sie an ihrem Ruhm zerbrochen ist...
    Du sprichst Wolfgang Niedecken an - den mag ich sehr gerne und ich hoffe, dass es ihm wieder besser geht!

    An UFO habe ich selber keine Erinnerungen; als die grad groß da waren, war ich ganz klein bis Kindergarten - trotzdem sind mir einige Stücke nicht fremd!

    Ich wünsche dir einen guten Start in die neue Woche!

    LG Lena

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  2. ich habe deinen Wochenrückblick auch gerne gelesen - und zum Abschluss ein bisschen UFO-Musik gehört :-)
    Das mit den Pflegeheimen ist zur Zeit auch mein Thema. Ich erlebe dass nicht nur gut ausgebildetes Personal fehlt, sondern dass überhaupt ausreichend Personal fehlt. Die wenigen Leute sind ständig am Laufen und können gerade das Notwendigste vom Notwendigen abhaken. Ich schreibe bewusst abhaken. Das ist ein trauriges Kapitel unseres Gesundheitswesens.

    lieber Gruß von Heidi-Trollspecht

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  3. interessant zusammengefasst, danke!
    ich schaffe leider kein buch in einer woche, weil ich nur am späten abend zum lesen komme. und sonst geht es mir wie dir....die liste der lesenswerten bücher wird immer länger, aber ich schaffe es micht sie "abzuarbeiten"
    LG zum wochenstart!

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