wer bin ich ? ich heiße Dieter

Montag, 13. Februar 2012

Tanken

Das war ein unspektakulärer Ort am Rande eines Industriegebietes, dessen Nüchternheit wohl niemanden faszinierte. Der Supermarkt uferte aus mit seinen Parkflächen, bis zu seinen Grenzen, wo hinter einer Mauer aus Kalksandsteinen die Gerätschaften einer Baufirma lagerten: demontierte Kräne, Baucontainer, Mini-Bagger, Teile von Gerüsten. An der anderen Kante des Supermarkts ein Autohaus mit einem schwerfälligen Rollgitter davor. Dahinter die Lagerfläche einer Landschaftsbaufirma, diese endete abrupt an der vom Autoverkehr gestressten Ausfallstraße.

Gewiss, es gab hässlichere und abweisendere Orte wie diesen. Jedenfalls kam mir diese Melancholie des Parkplatzes nicht elend vor, denn ich konnte mit den Erledigungen des Alltags einen Nutzen erkennen. In schlappem Tempo rollte unser Auto aus, das an seitwärts geparkten Autoreihen vorbei kroch. Den Eingang des Supermarkts im Rücken, drehten sich die Menschen von mir weg und drängelten zu den Boxen mit den Einkaufswagen.

Unser Wagen stoppte. Das Betanken war eine Tätigkeit, die in eine Gewohnheit übergegangen war. Das waren Situationen, da schlenderte ich glatt hindurch. Tanken, Bezahlen, Wegfahren, mehr war da nicht. Das waren diese Banalitäten des Alltags, die unbemerkt die Zeit verstreichen ließen und wenn man Pech hatte, schmissen einem solche Banalitäten den ganzen Tag zu.

Mechanisch drehte ich den Zündschlüssel um, ließ den Motor verstummen, wie von Geisterhand gelenkt schritt ich zur Zapfsäule. Als wäre es der Ausbruch eines materialistischen Reflexes, griff ich zur Zapfpistole. Geistesabwesend verlor ich mich in meinem Geflecht von Gedanken: Rockmusik von Led Zeppelin oder Deep Purple summte ich vor mich hin, ich stierte in den winterkalten Himmel hinein, ich legte mir parat, ob ich abends ein alkoholfreies Jever oder ein alkoholfreies Weizenbier oder Schweppes trinken wollte.

Schließlich bremste ich meine Gedanken aus, denn im Lichte der Realität ärgerte ich mich nicht. Ohnmächtig musste ich den sowieso viel zu hohen Ölpreis zur Kenntnis nehmen. Ich konnte nichts ändern, wie viel ich für den Sprit bezahlte, ich konnte nichts ändern, wie mal der Dollar- und Eurokurs und mal die politischen Verhältnisse in Arabien den Ölpreis in einem schwabbeligen Bereich hin- und herdümpeln ließen.

Geistesverloren ging ich bezahlen. In dem kleinen Glaskasten plärrte das Radio und es war so geheizt, dass ich mir wie in einem Brutkasten vorkam. Zu dem EC-Karten-Lesegerät hatte ich ein gestörtes Verhältnis, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, meine EC-Karte hinein zu stecken und wieder heraus zu nehmen.

Einmal hatte ich sogar vergessen, meine EC-Karte wieder herauszunehmen. Eine zeitlang später war ich im Möbelhaus unterwegs und meine Frau rief mich an, ob ich etwas vermissen würde. Ich überlegte und überlegte und überlegte, bis mich meine Frau auf meine EC-Karte drückte. Ein Glück, dass wir nicht Müller oder Meier oder Schmitz heißen, denn sonst hätte mich die freundliche Dame von der Tankstelle nicht im Telefonbuch gefunden. Und ein Glück, dass ich nicht irgendwo ganz weit weg - am Niederrhein oder in Freiburg - getankt hatte. Das waren Momente, da war ich Gedanken verloren und durch mechanische Bewegungen angetrieben – eine gefährliche Mischung.

PIN eingeben, Kassenbon entgegennehmen, EC-Karte wieder rausnehmen. Getankt. Mit unserem Auto konnte ich nun durch die Gegend brettern, was das Zeug hält.

Kommentare:

  1. Lieber nicht brettern, was das Zeug hält, bewusst fahren, damit Du nicht gleich wieder an die Tanke musst,
    ich wünsche Euch eine schöne Woche,
    LG Ulrike

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  2. Hej dieter,

    eine Alltagssituation mit Spannung. Sehr schön beschrieben!

    Gruß
    smultron

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