wer bin ich ? ich heiße Dieter

Montag, 20. Februar 2012

Karnevalstage


Der durchzechte Weiberfastnachts-Tag endete in einer Katastrophe. Ein 19 jähriger war so besoffen, dass er irgendwie auf den Gleisen der Straßenbahn landete. Fahrgäste sahen den Körper im Dunkeln auf den Gleisen liegen, sie klopften vehement auf die Scheiben des Straßenbahnfahrers der Kölner Verkehrsbetriebe. Doch der Fahrer hörte das Klopfen nicht und fuhr weiter. 15 Meter wurde der 19 jährige mitgeschleift und er war auf der Stelle tot.

Von dieser Katastrophe war sogar meine Frau betroffen. Als sie mit ihren beiden Freundinnen nach dem durchzechten Weiberfastnachs-Tag mit der Straßenbahn nach Hause fahren wollte, hatte sich der Unfall genau auf ihrer Straßenbahn-Linie ereignet. Busersatzverkehr. Die Warterei zog sich dermaßen in die Länge, dass die drei ein Taxi nahmen. Aber nicht nach Hause, sondern bis zur Endhaltestelle der Straßenbahn. Auf der restlichen Strecke bis nach Hause lagen noch jede Menge Kneipen, und angesteckt von dem Karnevalsvirus fanden die drei erst weit nach Mitternacht den Weg ins Bett.

Ich durchlebte eine ganz andere Katastrophenstimmung. Das NDR-Fernsehen erinnerte in einer langen Sturmflut-Nacht an die Ereignisse in Hamburg im Jahr 1962 vor genau 50 Jahren. Dort wurde gezeigt, wie zwei Opfer in den Fluten ertranken. Eine Situation empfand ich als besonders grausam, in der eine komplette Familie mit Kind und Kegel und Baby im Kinderwagen gezeigt wurde, wie sie sich auf das Dach eines anderen Hauses rettete. Ihre Tante war aber nicht aufgewacht, als die Flut um Mitternacht hereingebrochen war. Mit dem steigenden Wasser hörten sie ihre Schreie und sie konnten nur noch zusehen, wie sie die Fenster nicht geöffnet bekam und in ihrem Schlafzimmer ertrank.

Die übrigen Karnevalstage ließen wir geruhsam vorbei plätschern. Ich fühle mich zwar in meiner Haut als Rheinländer wohl, ich bin aber nicht unbedingt der Karnevalist, der sich mitten in den Trubel hineinstürzt. Ja, ich bin überzeugt, dass der Rheinländer einige positive Eigenschaften hat, was Humor und Lachen betrifft, so dass er sich nicht verstecken muss, aber saufen, trinken, Jubel, Trubel, Heiterkeit, da ziehe ich mich lieber zurück.

Daher dominierte an den Karnevalstagen das Fernsehprogramm: WDR. Karneval im Fernsehen – die bunte Vielfalt aus vergangenen Jahren – vor allem Büttenreden. Und da kristallisierten sich zwei Größen heraus, deren Humor und Witze ich für unübertroffen halte: Hans Süper und Hans Zimmermann (gestorben 1994). Dieser deftige Humor, des aus den tiefsten Inneren kommt, der in Leib und Blut übergangen ist, der wirkt ausschließlich im rheinischen Dialekt – auf Kölsch.

Zum Reinschauen:



Die Büttenreden habe ich mir sehr aufmerksam angesehen, weil ich Parallelen sehe zwischen Bloggen und Büttenreden. Beiden ist gemeinsam, dass es jemanden anders gibt, der entweder liest oder zuhört. Dazwischen ist diese Beziehung zum Leser/Zuhörer, dass das, was man bloggt oder redet, in irgendeiner Form beim Leser/Zuhörer ankommt oder auch nicht. Dabei finde ich eine Büttenrede schwieriger wie bloggen: durch Humor einen Knalleffekt entstehen zu lassen, dass der Zuhörer lacht. Ich bewundere all diese Büttenredner, wie sie aus Alltagssituationen aus Dorf, Stadt oder Familie das herausholen, worüber man lachen kann. Viele Charaktere sind zudem so dargestellt, dass man sie quasi an der nächsten Straßenecke vorfindet oder dass sie mitten aus dem Leben gegriffen sind.

Dazu ein Witz von Guido Kantz:

Ein Mann hört draußen verdächtige Geräusche. Er tritt vor die Türe und bemerkt, dass sich Unbekannte an seinem Carport an seinem Auto zu schaffen machen. Er ruft bei der Polizei an. Die Polizei sagt ihm, sie könnten erst in einigen Stunden kommen, weil sie keine Kapazitäten hätten (Unterbesetzung).

Ein paar Minuten später ruft der Mann wieder bei der Polizei an und teilt den Polizeibeamten mit, die Angelegenheit hätte sich erledigt. Er hätte nämlich die beiden Einbrecher erschossen.

Wieder ein paar Minuten später rückt ein Großaufgebot von Polizei, Streifwagen, Sanitäter, Rettungswagen an. Ein Polizist fragt ihn, wo die beiden Leichen seien. Der Mann entgegnet, wieso auf einmal die Polizei gekommen sei. Es hieß doch, sie hätten keine Kapazitäten.

Ich stelle mir vor, dass der erste Punkt – dass die Polizei infolge Unterbesetzung nicht zeitnah auf Verbrechen reagieren kann – in Wirklichkeit durchaus vorkommen kann und mitten aus dem Leben gegriffen ist.

Ich wünsche allen Bloggern viel Humor und viel Spaß bei den Rosenmontagszügen … soweit diese in ihren Gegenden stattfinden. Im Fernsehen war ich jedenfalls erstaunt, dass Karnevalszüge in Städten gezeigt wurden, wo ich dies eigentlich nicht vermutet hätte – in Frankfurt, in Cottbus oder in Hannover. Über Bloggerkreise habe ich mitbekommen, dass im Ausland - beispielsweise in Frankreich in der Normandie oder in den Niederlanden in Zeeland – genauso Karneval gefeiert wird, dass Karneval sozusagen ein Phänomen der Globalisierung ist !  

Im Verlauf des Nachmittags werde ich mich aus dem Staub machen und mit meinem Rennrad eine erste längere Runde über das Siebengebirge drehen.

ALAAF !

Kommentare:

  1. Hallo Dieter, mit Interesse habe ich Dein Artikel gelsen. Ja, die "Sauferei" insbes. an Karneval finde ich auch ganz schlimm. Wenn ich nachts meine Tochter von diversen Karnevalsveranstaltungen abhole, sind bei mir aller Alarmglocken an, denn was da so unkontrolliert über die Straße wankt, ist schon heftig... Ich selbst setzte dieses Jahr mal aus mit Feiern. Erstens steht mir absolut nicht der Kopf danach und zweitens bin ich stark erkältet. Bei uns geht morgen der Veilchendienstagzug, noch nie habe ich den ausgelassen, wir sind slebst einige Jahre mitgegangen, aber eben dieses Jahr nicht. Wünsche Dir noch eine schöne Zeit-
    LG Marita

    AntwortenLöschen
  2. Ach Liebelein, wäre ich doch nur da. Habe den ganzen Nachmittag vorm Fernseher verbracht und d'r Zoch jeluurt. Traurige Grüße und 3 x Bonn Alaaf!

    AntwortenLöschen
  3. Hej dieter,

    ist wohl auch mit ein Grund, warum ich Fasching nicht vermisse. Ich weiß, ist ja sträflich vom Fasching am Rhein zu reden, aber Karneval findet für mich in Venedig statt und der ist glanzvoll mit Schlagschattenseiten!!

    Grüße vom faschingslosen Ostseeufer in Schweden
    Beate

    AntwortenLöschen
  4. moin, moin
    auch in meiner region wird es nicht gerade zelebriert...das "fasenacht" feiern. mit dem trinken hab ich es auch nicht...aber warum auch....ich tanze auch ohne alk auf den tischen...;-))
    LG

    AntwortenLöschen
  5. ps...aber dei rheinländer haben doch paar tage frei, gelle??? ☺

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Weiberfastnacht habe ich von zu Hause aus gearbeitet (damit meine Frau in Köln einen draufmachen konnte). Rosenmontag war auch arbeiten angesagt. Wie ich im Blog geschrieben habe, habe ich mich um 13 Uhr aus dem Staub gemacht und die Rennrad-Saison eingeläutet.

      Gruß Dieter

      Löschen