wer bin ich ? ich heiße Dieter

Mittwoch, 15. Februar 2012

von Eiskalt nach Grau in Grau


Der Anschein, dass es trocken bleiben könnte, trieb mich heute Morgen aufs Fahrrad. Die Nacht über hatte es geregnet, Feuchtigkeit hing noch lose in der Luft, und ich vertraute dem Wetterfrosch Karsten Schwanke im ARD-Morgenmagazin, der vorhersagte, dass das Regengebiet abzog.

Die Feuchtigkeit kondensierte zu einem undeutlichen Gebilde, sie war greifbar und nah, doch der Nieselregen weigerte sich los zu plätschern. Karsten Schwanke hatte Recht behalten. Trocken und ohne mein Regenzeug auspacken zu müssen, konnte ich weiter radeln. Ich umkurvte den Friedhof, dessen Stille zu der noch nächtlichen Dunkelheit passte, ich umkurvte diverse Pfützen, indem ich auf der Mitte des geteerten Wirtschaftsweges fuhr. Aus der Fahrbahn spritzte Wasser lebhaft gegen die Schutzbleche meines Fahrrads, in denen sich eine Masse von Dreck und Schmutz sammelte. Der Rückenwind peitschte mich dermaßen voran, dass ich kaum zu treten brauchte. Mit Schrecken dachte ich an meinen Nachhauseweg, wenn ich ständig aufs Neue diese Mauer des Windes durchbrechen musste. Ich dachte an den Mythos von Sisyphus, wobei ich anstelle einen Stein den Berg hoch zu schieben gegen den Wind treten musste.

Über dem Rheindamm die Morgendämmerung. Wie ein Flickenteppich durchsetzten helle Flecken die Wolkendecke. Die hellen Flecken wuchsen zusammen und schoben sich bis zum gegenüberliegenden Horizont herüber. Als ich die Autobahnbrücke mit dem Panoramablick auf das Siebengebirge passierte, war mit der Helligkeit ein neuer Tag geboren worden. Das Siebengebirge buckelte sich mit den Bergen über dem Rhein, ein Schleppkahn bugsierte auf das linke Rheinufer zu, wobei der Schiffsmotor mit einem dumpfen Geräusch stromaufwärts tuckerte.

Grundverschieden, hatte das Wetter in der neuen Woche die Stimmung gewechselt, von eiskalt nach grau in grau. Während es mich in der letzten Woche nur dorthin trieb, wo ich der Kälte entrinnen konnte, musste ich in dieser Woche dieses trübselige Grau in Grau ertragen. Was war angenehmer ? Mir kam das Wetter vor wie eine Wahl zwischen Pest und Cholera. Ich war wählerisch. Weder das eine noch das andere gab meiner Stimmung einen nennenswerten Schub.

Montag Morgen hatte Schneefall eingesetzt, Himmel bedeckt. Dienstag Morgen Reifglätte auf den Straßen, obschon die Wolken einen Riegel vor die funkelnden Sterne geschoben hatten. Heute erneut dieses Grau in Grau. Die Wolkendecke wollte einfach nicht aufreissen. Zäh und hartnäckig verbarrikadierte diese graue Wolkenmasse das Blau am Himmel, keine Wolkenlücke tat sich auf. Grautöne in unterschiedlichen Varianten dominierten, mal drohend, mal nachdrücklich, mal sich zusammen ballend, mal auseinander fallend. Unaufhörlich, trieben die Wolken von einem Ende der Stadt zum anderen Ende der Stadt.

Ohne jegliche Farbtupfer, fehlte mir die Inspiration. Neue Ideen, was ich bloggen konnte, keimten nicht auf. Sonst hatte ich des öfteren einen riesigen Schwall von Ideen, so umfangreich, dass ich sie gar nicht systematisiert bekam. Ich lief über vor lauter Gedanken, die in meinem Kopf herum kreisten, und beim Bloggen konnte ich mir das beste, was mir daraus gefiel, aussuchen. Mittlerweile war meine Ideensammlung ungefähr leergeräumt. Beim Bloggen musste ich das nehmen, was gerade kam, egal, ob es mir gefiel oder nicht.

Nun hatte leise und stetig tröpfelnder Regen eingesetzt. Karsten Schwanke hat also doch nicht Recht gehabt. Immerhin habe ich es heute Morgen trocken ins Büro geschafft.

Für die nächsten Tage hat Karsten Schwanke Regen und viele Wolken für die Mitte Deutschlands vorhergesagt. Einen Schimmer von Hoffnung habe ich, dass Karsten Schwanke trotzdem unrecht hat. Oder dass wir im Rheinland nicht zur Mitte Deutschlands gehören.

Kommentare:

  1. bei "tief"-ansagen hoffe ich auch immer DIE irren sich ;-)
    LG

    AntwortenLöschen
  2. Sei froh, dass du nicht auf Glatteis gefahren bist... Bei uns war es morgens zieml glatt und nachmittags auf den Parkwegen immer noch. Trzd bin ich froh, dass die Eiszeit in Deutschland vorbei zu sein scheint. Hoffen wir mal, dass der Frühling sich bald einstellt.

    Vielen Dank für deinen Kommentar, über den ich mich riesig gefreut habe. Die Assoziation ist nachvollziehbar: Koffer - Reisen - Fremde Kulturen - Toleranz - Fremdenfreundlichkeit. Gefällt mir! :)
    Die Erklärung ist gern geschehen. Das freut mich :) Auch, darüber dass du nicht sauer bist, bin ich sehr froh. *)

    Anbei noch eine kurze Frage: Wie gefällt dir speziell mein jüngster Post?

    Ich wünsche Dir einen erholsamen Feierabend
    Gruss wieczorama
    Mein Fotoblog

    AntwortenLöschen
  3. dafür dass dir jegliche Inspiration gefehlt hat, hast du sehr schön geschrieben - und ich bin neugierig geworden ... schaue mich gerne bei dir um ... und melde mich bestimmt auch wieder :-)

    Gruß von Heidi-Trollspecht

    AntwortenLöschen
  4. Trotz aller Vorwarnungen ist es bei uns eisfrei geblieben und die Sonne lacht auch gegen alle Prognosen des Wetterberichtes ... also weiter hoffen und trocken nach Hause kommen!
    Lieber Gruß Senna

    AntwortenLöschen
  5. Sehr schön geschrieben, könnte aus einem Buch sein ........ Der Kommissar radelt gedankenverloren dahin und plötzlich ....... naja, keine Ahnung, tun sich halt Abgründe auf, so irgendwie :)

    AntwortenLöschen