wer bin ich ? ich heiße Dieter

Montag, 4. Juni 2012

Wochenrückblick #22

Im Fernsehen
Obschon bereits mehrfach gesendet, habe ich letzten Samstag im NDR-Fernsehen das erste Mal „Das Wunder von Bern“ vollständig gesehen. Den Kinofilm von Sönke Wortmann hatte ich sonst nur in Bruchstücken gesehen. Der Film ist ein exzellentes zeitgeschichtliches Dokument, dass Fußball nicht nur Unterhaltung und Massenspektakel ist, sondern auch eine intensive soziale Komponente beinhaltet. So hat mich insbesondere der wiederkehrende Hintergrund des Ruhrgebiets mit dem Kühlturm, den Bergarbeitersiedlungen und des Fußballspielens im Hinterhof beeindruckt. Mit den Arbeitern in Zechen, Kokereien oder Stahlwerken verbunden, ist der Fußball dort ein Stück Bodenständigkeit – in den 50er Jahren noch stärker als heute. Zeitgeschichte: Wortmann schafft es, den Vater-Sohn-Konflikt in das Medium Fußball hinein zu packen: der Vater, ein zurückgekehrter Kriegsgefangener aus Russland, der Sohn, der sein Herz am Fußball verloren hat. Dazwischen brodeln Konflikte auf, weil der Vater überautoritär seine Familie regiert – denn er hat über Jahrzehnte hinweg nichts anderes als Nazi-Parolen und Krieg kennen gelernt – er verprügelt seinen Sohn und akzeptiert nicht seine Fußball-Leidenschaft seines Sohnes. Rührend finde ich den Moment der Einsicht des Vaters – als er dem Weinen nahe ist – und schließlich mit ihm nach Bern fährt. Fasziniert hat mich in dem Film auch die Art des Fußballs im Urzustand – als Nebenjob, ohne Starallüren, ohne Spielergehälter, die jedwede Bodenhaftung verloren haben. Kameradschaft und Spaß standen im Vordergrund. Einfach nur Fußballspielen. Ohne Medienrummel und ohne Reporter, die auf der Lauer gelegen haben und bei jedem Wort oder jeder Geste Schlagzeilen gesucht haben.

Behindertenwohnheim
Im letzten Wochenrückblick hatte ich fleißig über Unzulänglichkeiten bei der Wohnheimbetreuung gemeckert. Es gibt aber auch positives zu berichten. So gibt es durchaus behindertenpädagogische Ansätze, ausgehend von den Fähigkeiten der geistig Behinderten ihre Kreativität zu entwickeln.
(1)  Lehrer, die an Schulen für geistig Behinderte ausgebildet werden, müssen ein Praktikum absolvieren. Ein Lehrer hat als Praktikum mit den Behinderten des Behindertenwohnheims ein Fotoprojekt durchgeführt. Über Wochen hinweg wurde fotografiert und die Fotos wurden in unterschiedlichen Collagen zusammengestellt. Die Ergebnisse sind in einer Ausstellung präsentiert worden.



(2)  Letzten Samstag fand das Sommerfest des Behindertenwohnheims statt. Ein buntes Programm begann gegen 16 Uhr ging bis tief in den Abend hinein. Die Behinderten haben zwei Tänze aufgeführt und gemeinsam mit einem schwarzen Musiker auf Samba-Trommeln Lieder gespielt.




Im Getränkemarkt
In den letzten Wochen habe ich mich mehrfach durch Kunden genervt gefühlt, die den üblichen Leergut-Kreislauf nicht kennen. D.h. sie kaufen keine kompletten Kästen der jeweiligen Getränke, sondern kaufen die Flaschen nur einzeln – der größte Teil davon sind PET-Flaschen. Diese Einzelflaschen sammeln sie in großen Säcken. Die Entsorgung geschieht dann als feierlicher Akt, wenn die ganze Familie mit Kindern – mit Riesensäcken voller PET-Flaschen - einen Ausflug in den Getränkemarkt unternimmt. Jedes Kind beteiligt sich dabei, die Einzelflaschen in den Getränkeautomaten zu werfen, und sie streiten sich sogar, wer als nächster an der Reihe ist. Derweil warten die anderen Kunden … und warten … und warten … bis sich eine Warteschlage bis zur Straße formiert. Der zweite Getränkeautomat, der die Situation entlasten könnte, ist natürlich in solchen Situationen defekt – oder er muss geleert werden, was beim Schneckentempo des Personals eine gefühlte Ewigkeit dauern kann. Natürlich erlebe ich solche Situationen immer genau dann, wenn ich es besonders eilig habe.

Dialog zwischen unserem großen und unserem kleinen Mädchen
Beide essen Kopfsalat aus unserem eigenen Garten, unser kleines Mädchen mit Salatsoße und unser großes Mädchen ohne Salatsoße.
Kleines Mädchen: „Wieso isst du den Salat roh, ohne Salatsoße ?“
Großes Mädchen: „Weil mir die einzelnen Blätter so leckerer schmecken.“
Kleines Mädchen: „Dann bist du eine Schnecke.“

Blogger als Autoren
Leen Huet, die zu meinen Top10-Blogs gehört, ist eine belgische Historikerin, die ein größeres literarische Werk mit mehreren Romanen geschrieben hat, u.a. eine literarische Reise durch Venedig oder wie sie Belgien mit ihren eigenen Augen sieht. Das ist für mich Neuland, dass es Blogger gibt, die Bücher geschrieben haben. Beim Herumstöbern habe ich ebenfalls entdeckt, dass Moena im Internet Erzählungen und Kurzgeschichten veröffentlicht hat. Bei Leen Huet war ich neugierig geworden auf eine Biografie von Rockox, der von 1560-1640 Bürgermeister von Antwerpen war. Dieses Werk hat sie gemeinsam mit dem Co-Autor Jan Grieten geschrieben. Die Biografie hat sie mir nach Hause geschickt und ich bin ganz stolz  auf eine persönliche Widmung auf der zweiten Seite des Buches, weil ich der erste deutsche Leser bin. 




Kommentare:

  1. Hej Dieter,

    immer wieder bin ich erstaunt über die Fülle von Eindrücken einer einzigen Woche. Sich dessen bewußt zu werden gibt dem Leben Hand und Fuß und die Zeit entgleitet einem nicht so einfach.
    Ich werde das auch mal für mich tun.

    LG
    Beate

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  2. Hallo Dieter,
    dieser WRB hat mir bisher am besten von allen - oder zumindest mit am besten - gefallen. ★ Mal von unten angefangen, finde ich es super lieb von dir, dass du ihr hilfst das Buch zu promoten. ★ Kindermund ist immer wieder etwas sehr schönes. In diesem Fall auch angenehm unterhaltsam und komisch. ★ Pfandflaschen geben bei uns die meisten auf diese Weise ab. In dem Supermärkten steht meistens nur ein Automat. Vor den Megamärkten z.T. zwei und das Bescheuerte daran ist, dass hinter beiden Automaten ein Mensch steht, der die einfahrenden Flaschen dann einsortiert. Da dort alle Formate von Pfandflaschen genommen werden, gehen auch die Armutsbetroffenen mit ihren riesigen Pfandflaschensammlungen dort gerne hin. Deshalb gebe ich dort nichts ab, denn das dauert mir einfach zu lange. Ausserdem, bei aller Liebe und Engagement, riechen die großen Permanenttaschen inkl. Inhalt dermaßen nach Müll, dass es für meine feine Nase kaum zu ertragen ist. Daher gebe ich wo anders ab. ★ Praktikum, Kreatives und Sommerfest im B-Wohnheim finde ich prima, denn so erhält der Alltag der Bewohner ein bisschen Farbe. Mit der Veröffentl der Fotos musst du mal überlegen/ nachlesen. War das eine Halb-öffentl. od. priv Veranstaltung ist es vermutl. nicht gestattet, Gesichter von Menschen ohne deren Einverständn zu zeigen. Bei Ausstellungen, zumal dabei auch Gesichter der Bewohner gezeigt werde, weiss ich nicht, wie die gesetzl Lage aussieht. Innenraum = Eigentum, Gesichter evt. mit Persönlichkeitsschutz und das Kunstwerk an sich dürfte unter Copyright stehen, aber wie ist das dann bei einer Ausstellung ...?
    Gruß
    Wieczorama (◔‿◔) | Mein Fotoblog

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  3. Fußball ist für mich noch nie wichtig gewesen, es interessiert mich nicht...doch diesen Film finde ich sehr beeindruckend, er berührt so viele Situationen aus der Nachkriegszeit, er gibt Einblick in die Familie und zeigt wie sich die Menschen damals gefühlt haben.
    Den Vergleich mit der Schnecke finde ich Klasse!
    LG Zaunwinde

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  4. Da kann ich mir nur anschließen: Das Wunder von Bern ist ein großartiger Film, der die Nachkriegszeit sehr authentisch wiederspiegelt. Ich habe ihn schon mehrfach gesehen und wir besitzen ihn auch auf DVD. Und auch mit den PET-Flaschen hast Du recht... beaobachte das auch immer wieder.. grrr.
    LG Marita

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